Geranien pflanzen. Warum dieser Balkon-Klassiker Bienen verhungern lässt

Es ist ein vertrautes Bild, das jeden Sommer das Gesicht unserer Städte und Dörfer prägt. In den Blumenkästen an fast jedem Balkon und Fenstersims leuchtet es in knalligem Rot oder Pink.

Die Geranie (botanisch: Pelargonie) ist der unangefochtene Liebling der Deutschen. Sie gilt als pflegeleicht, übersteht Hitzeperioden und blüht unermüdlich bis zum ersten Frost.

Doch in der modernen Gartengestaltung und unter Naturschützern wird die Pflanze mittlerweile massiv boykottiert. Wer sich heute noch Geranien in die Kästen pflanzt, tut der Natur unbewusst etwas Schreckliches an.

Als Experte für ökologische Raumbegrünung muss ich Ihnen diese bittere Wahrheit sagen: Ihre bunten Balkonkästen sind in Wahrheit tödliche Wüsten für unsere Insekten! Ich erkläre Ihnen an einem drastischen Beispiel, warum Bienen auf der Geranie einen grausamen Tod sterben.

Und ich zeige Ihnen drei brandneue, moderne Alternativen, die genauso pflegeleicht sind, Hitze lieben und Ihren Balkon in ein surrendes, hochmodernes Blütenmeer verwandeln.

„Mein Balkon leuchtet rot, aber keine Biene kommt!“

Letzten Mai rief mich Herr Schulze an. Er hatte gerade für viel Geld seine Balkonkästen mit prächtigen, gefüllten Hängegeranien bepflanzen lassen. „Ich wollte eigentlich etwas für das Insektensterben tun“, sagte er mir enttäuscht am Telefon. „Ich sitze oft stundenlang auf dem Balkon, aber es kommt nicht eine einzige Hummel oder Biene an meine Blumen. Riechen die schlecht?“

Ich musste ihm erklären, dass die Insekten nicht wegen des Geruchs wegbleiben, sondern aus purem Überlebensinstinkt.

Die klassische Balkon-Geranie aus dem Baumarkt ist durch jahrzehntelange, extreme Zucht auf reine Optik getrimmt worden. Die Blüten sind oft „gefüllt“ (sie haben extra viele Blütenblätter). Das Problem: Durch diese Überzüchtung wurden die lebenswichtigen Staubgefäße komplett weggezüchtet.

Eine gefüllte Geranie bietet Insekten weder Pollen noch Nektar. Sie ist völlig steril! Wenn eine ausgehungerte Biene durch die knallige Farbe angelockt wird und auf der Blüte landet, verbraucht sie extrem viel Energie beim Suchen, findet aber absolut keine Nahrung. Im schlimmsten Fall verhungert sie noch auf der Pflanze vor Erschöpfung.

Die Revolution am Geländer: 3 moderne Dauerblüher

„Was soll ich denn sonst pflanzen?“, fragte Herr Schulze. „Alle anderen Blumen vertrocknen doch im Hochsommer auf meinem Südbalkon sofort!“

Das ist ein alter Mythos. Die Botanik hat längst reagiert. Verabschieden Sie sich von den „Plastikblumen“ der 80er Jahre. Hier sind die drei modernen Superstars für Ihren Balkon, die extreme Hitze lieben, monatelang blühen und die Bienen retten:

  • 1. Das Zauberglöckchen (Calibrachoa / Million Bells)
    Der absolute Liebling der modernen Designer! Diese Pflanze sieht aus wie eine Miniatur-Petunie und wächst als atemberaubender Wasserfall nach unten.
    Der Vorteil: Sie blüht ununterbrochen von Mai bis Oktober, putzt sich selbst aus (Sie müssen keine welken Blüten abknipsen wie bei der Geranie!) und die Trichterblüten sind randvoll mit Nektar für Schmetterlinge.

  • 2. Die Fächerblume (Scaevola aemula)
    Eine robuste Pflanze aus Australien, die extreme Trockenheit liebt. Sie bildet lange, fächerartige Blütenketten in tiefem Blau, Violett oder Weiß.
    Der Vorteil: Sie ist absolut immun gegen starken Wind (perfekt für hohe Balkone) und Hitze. Ihre offenen, halbrunden Blüten sind wie kleine Landebahnen für hungrige Hummeln.

  • 3. Das Portulakröschen (Portulaca grandiflora)
    Das ultimative Sukkulenten-Wunder für den heißen Südbalkon.
    Der Vorteil: Diese Pflanze hat fleischige Blätter und speichert Wasser wie ein Kaktus. Selbst wenn Sie das Gießen im Hochsommer mal ein paar Tage vergessen, stirbt sie nicht. Ihre offenen, seidigen Blüten leuchten grell in allen Farben und sind ein Magnet für Insekten.

Herr Schulze tauschte im nächsten Jahr seine sterilen Geranien gegen eine bunte Mischung aus violetten Zauberglöckchen und weißen Fächerblumen aus. Sein Balkon quoll förmlich über vor Blüten, die wie ein Wasserfall über das Geländer hingen. „Es ist unfassbar“, schwärmte er im August. „Sobald die Sonne aufgeht, summt und brummt der ganze Balkon, und ich muss nicht einmal mehr alte Blüten auszupfen!“

Kaufen Sie im Frühling aus Gewohnheit auch immer wieder die klassischen Geranien für Ihre Fensterbretter und Balkonkästen? Wussten Sie, dass Sie mit gefüllten Zuchtblüten unsere bedrohten Insekten buchstäblich vor dem vollen Teller verhungern lassen? Stoppen Sie die grüne Wüste auf Ihrem Balkon! Setzen Sie auf moderne, nektarreiche Hängepflanzen, die Hitze genauso gut vertragen. Speichern Sie sich diese drei Alternativen für den nächsten Baumarktbesuch ab und teilen Sie die Warnung vor den sterilen Blüten bei WhatsApp oder in Facebook-Gartengruppen mit Ihren Freunden, damit in diesem Jahr wieder mehr Leben an unseren Fassaden einzieht.

Hallo, ich bin Maria! Als Autorin von „Mein Stadtgarten“ und Kopf hinter dem Erfolgsprojekt „GartenFräulein“ lebe ich für nachhaltiges Gärtnern. Mein Praxis-Wissen aus über 10 Jahren und unzähligen Pflanz-Projekten gebe ich hier auf malerharders.de an dich weiter. Egal ob kleiner Balkon oder Stadtgarten – zusammen machen wir es grün! „Trauen Sie sich einfach! Der größte Fehler beim Gärtnern ist es, aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anzufangen. Jede Pflanze, die Sie selbst ziehen, ist ein kleiner Sieg für die Natur – und für Sie selbst.“ – Maria Hans

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