Wie viel Wasser brauchen Tomaten? Warum tägliches Gießen sie tötet

Sobald die Temperaturen im Sommer über 25 Grad klettern, bricht in deutschen Gärten und auf Balkonen pure Panik aus. Aus Angst, dass die wertvollen Tomatenpflanzen verdursten könnten, rennen Millionen Hobbygärtner jeden Abend mit der Gießkanne zu den Beeten.

Es wird jeden Tag ein „kleiner Schluck“ Wasser gegeben, damit die Erde immer schön feucht aussieht. Doch das Resultat dieser gut gemeinten Fürsorge ist oft katastrophal.

Die fast reifen Tomaten platzen plötzlich auf, die Blätter werden gelb oder der gefürchtete schwarze Pilz (Kraut- und Braunfäule) vernichtet den gesamten Strauch innerhalb von wenigen Tagen.

Als Gärtnermeister muss ich Ihnen die harte Wahrheit sagen: Wenn Sie Ihre Tomaten jeden Tag gießen, erziehen Sie sich schwache, kranke und abhängige Pflanzen! Ich erkläre Ihnen heute die faszinierende Biologie hinter der Tomatenwurzel.

Wenn Sie den genialen „Wüsten-Trick“ der Profis anwenden und Ihre Gieß-Routine drastisch umstellen, verzehnfachen Sie nicht nur Ihre Ernte, sondern sparen auch noch Unmengen an Wasser und Zeit.

„Meine Tomaten lassen schon am Nachmittag die Blätter hängen!“

Im letzten Juli rief mich Herr Becker an. Er war völlig gestresst von seinem Gemüsebeet.

„Ich verbringe jeden Abend eine halbe Stunde damit, meine Tomaten zu gießen“, stöhnte er. „Ich gebe jeder Pflanze jeden Tag einen Liter Wasser. Aber sobald die Sonne am Nachmittag brennt, hängen die Blätter schon wieder schlaff herunter. Und heute Morgen sind drei dicke rote Tomaten einfach aufgeplatzt. Muss ich jetzt morgens UND abends gießen?“

„Auf gar keinen Fall, Herr Becker“, hielt ich ihn auf. „Ihre Tomaten sind nicht durstig, sie sind einfach nur furchtbar faul geworden!“

Ich erklärte ihm den fatalsten Gieß-Fehler der Tomatenzucht: Das oberflächliche Gießen.

Eine Tomatenpflanze ist von Natur aus ein Überlebenskünstler. Wenn sie muss, treibt sie ihre Wurzeln über einen Meter tief in den Boden, um an Grundwasser zu kommen! Wenn Sie nun aber jeden Tag nur einen kleinen Schluck Wasser oben auf die Erde kippen, denkt die Tomate: „Warum soll ich mich anstrengen und tiefe Wurzeln bilden? Das Wasser kommt ja bequem von oben!“

Die Folge: Die Tomate bildet nur extrem flache, oberflächliche Wurzeln (einen sogenannten „Wurzelteller“). Sobald die Sonne im Sommer die obersten drei Zentimeter der Erde austrocknet, sitzt die Tomate komplett auf dem Trockenen und lässt sofort die Blätter hängen. Bei feuchtem Wetter faulen diese flachen Wurzeln zudem extrem schnell.

Der Wüsten-Trick: So machen Sie Ihre Tomaten stark

Um Herrn Beckers Tomaten zu echten Überlebenskünstlern zu machen, verhängten wir sofort eine strikte Gieß-Diät.

Verabschieden Sie sich von der täglichen Gießkanne! Halten Sie sich ab sofort an diese drei eisernen Profi-Regeln für eine gigantische Tomatenernte:

  • 1. Selten, aber extrem durchdringend (Die Flut-Regel)
    Gießen Sie Tomaten im Freiland niemals jeden Tag! Gießen Sie (je nach Hitze) nur alle 3 bis 5 Tage, dafür aber massiv! Geben Sie einer großen Pflanze dann ruhig 5 bis 10 Liter Wasser auf einmal.
    Der Effekt: Das Wasser sackt extrem tief in den Boden ab. Die obere Erdschicht trocknet danach wieder komplett aus. Die Tomatenwurzeln sind nun gezwungen, dem Wasser tief in die Erde hinterherzuwachsen. Sie bilden ein massives, tiefes Wurzelsystem und überstehen danach wochenlange Dürre-Phasen ohne Probleme!

  • 2. Der Finger-Test (Nicht nach Optik gießen)
    Verlassen Sie sich nie auf die Farbe der Erde. Auch wenn die Oberfläche hell und staubtrocken aussieht, ist es 10 Zentimeter tiefer oft noch klatschnass!
    Der Effekt: Stecken Sie immer zuerst Ihren Zeigefinger komplett (bis zum Anschlag) in die Erde neben dem Stamm. Nur wenn es sich ganz tief unten an der Fingerspitze wirklich trocken anfühlt, greifen Sie zur Gießkanne! (Ausnahme: Tomaten im Kübel auf dem Balkon trocknen schneller aus und müssen oft öfter geprüft werden).

  • 3. Gießen Sie morgens, nicht abends! (Der Pilz-Stopp)
    Wer abends gießt, spielt mit dem Tod der Pflanze. Die Erde bleibt die ganze kühle Nacht über nass. Diese feuchte, warme Umgebung ist der perfekte Brutkasten für die tödliche Kraut- und Braunfäule.
    Der Effekt: Gießen Sie früh morgens! Die Pflanze saugt sich für den heißen Tag voll, und die Oberfläche der Erde trocknet in der Mittagssonne blitzschnell wieder ab. Der Pilz hat keine Chance. (Und gießen Sie IMMER nur unten an den Stamm, niemals über die Blätter!)

Herr Becker stellte sein Gießverhalten radikal um. Er gab seinen Tomaten nur noch alle vier Tage eine massive Wasserladung tief an die Wurzeln. Die Tomaten wurden robuster, das Aufplatzen der Früchte (durch plötzlichen Wasserschock) hörte sofort auf und er konnte die warmen Sommerabende endlich auf der Terrasse genießen, statt Wasserkanister zu schleppen.

Stehen Sie an warmen Sommerabenden auch stundenlang am Beet und versorgen Ihre Tomatenpflanzen aus lauter Sorge täglich mit kleinen Wasserrationen? Haben Sie sich bisher auch gewundert, warum Ihre Pflanzen bei der kleinsten Hitzewelle sofort kollabieren oder die Früchte unschön aufplatzen? Zwingen Sie Ihre Tomaten zur Arbeit und machen Sie sie stark! Streichen Sie das tägliche Gießen und fluten Sie den Boden seltener, aber tief. Speichern Sie sich diese goldenen Gieß-Regeln ab und teilen Sie den zeitsparenden Wüsten-Trick bei WhatsApp oder in Facebook-Gartenforen mit Ihren Freunden, die in diesem Jahr ebenfalls eine gesunde und gigantische Tomatenernte einfahren wollen.

Hallo, ich bin Maria! Als Autorin von „Mein Stadtgarten“ und Kopf hinter dem Erfolgsprojekt „GartenFräulein“ lebe ich für nachhaltiges Gärtnern. Mein Praxis-Wissen aus über 10 Jahren und unzähligen Pflanz-Projekten gebe ich hier auf malerharders.de an dich weiter. Egal ob kleiner Balkon oder Stadtgarten – zusammen machen wir es grün! „Trauen Sie sich einfach! Der größte Fehler beim Gärtnern ist es, aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anzufangen. Jede Pflanze, die Sie selbst ziehen, ist ein kleiner Sieg für die Natur – und für Sie selbst.“ – Maria Hans

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