Wenn die Sonne im Hochsommer brennt, beginnt in deutschen Gärten das allabendliche Ritual. Millionen Hobbygärtner greifen nach dem Feierabend zum Gartenschlauch, um ihre durstigen Tomatenpflanzen vor dem Vertrocknen zu retten.
Oft wird das kalte Wasser aus dem Hahn in einem großzügigen Schwall direkt über die gesamte Pflanze und die Erde gesprüht. Was als erfrischende Dusche gut gemeint ist, entpuppt sich wenige Wochen später als absolutes Todesurteil für die Tomate.
Plötzlich bekommen die Blätter hässliche braune Flecken, die fast reifen Früchte platzen schlagartig auf oder faulen direkt am Strauch. Viele Gartenbesitzer rätseln dann über den falschen Dünger oder schlechtes Wetter.
Als Experte für Gemüseanbau kann ich Ihnen versichern: Sie haben Ihre Tomaten im wahrsten Sinne des Wortes selbst krank gegossen! Ich erkläre Ihnen an einem Praxisbeispiel, warum die Kombination aus kaltem Wasser und nassen Blättern die empfindlichen Südamerikaner zerstört.
Mit dem genialen und völlig kostenlosen „Tontopf-Trick“ gießen Sie in Zukunft wie ein Profi und ernten gesunde, süße Früchte.
„Meine Tomaten sind nach dem Gießen aufgeplatzt!“
Vergangenen Juli rief mich Herr Krause an. Er stand völlig frustriert vor seinem Tomatenbeet.
„Ich verstehe das nicht“, schimpfte er. „Wir hatten jetzt drei heiße Tage. Ich habe jeden Abend den Rasensprenger und den Gartenschlauch auf die Beete gehalten, damit die Tomaten ordentlich Wasser haben. Heute Morgen sind fast alle roten Früchte tief eingerissen und die Blätter werden von unten nach oben schwarz. Habe ich zu wenig gegossen?“
„Nein, Herr Krause“, antwortete ich ihm. „Sie haben zur falschen Zeit, mit der falschen Temperatur und an der falschen Stelle gegossen.“
Herr Krause hatte gleich drei der fatalsten Gießfehler begangen, die man bei Tomaten machen kann.
Der Kälteschock und der Pilz-Magnet
Tomaten hassen zwei Dinge abgrundtief: Kaltes Wasser an den Wurzeln und Feuchtigkeit auf den Blättern.
Wenn Sie mit eiskaltem Leitungswasser gießen, erleidet die von der Sonne aufgeheizte Pflanze einen extremen Schock (Stress). Dieser Stress führt oft dazu, dass die Zellen in den Früchten die plötzliche Wasserzufuhr nicht regulieren können – die Tomatenschale reißt mit einem hörbaren Knacken auf.
Wenn Sie zudem das Wasser großflächig über die Pflanze sprühen, bleiben die Blätter über Nacht nass. Auf nassen Tomatenblättern explodieren die Sporen der gefürchteten „Kraut- und Braunfäule“ (einem Pilz) in Rekordzeit und vernichten die Pflanze.
Der Tontopf-Trick: Wasser direkt an die Wurzel
Um Herrn Krauses restliche Ernte zu retten, verboten wir den Gartenschlauch und bauten ein Bewässerungssystem der Profis auf. Tomaten müssen gezwungen werden, tiefe Wurzeln zu bilden, anstatt das Wasser an der Oberfläche zu suchen.
So bauen Sie das beste Gieß-System für Tomaten:
| Arbeitsschritt | Die Durchführung im Beet | Der botanische Zweck |
| 1. Das Wasser vorwärmen | Füllen Sie morgens eine Gießkanne oder Regentonne. Lassen Sie das Wasser den ganzen Tag in der Sonne stehen. | Lauwarmes, abgestandenes Wasser verhindert den Kälteschock und schützt die Früchte vor dem Aufplatzen. |
| 2. Der Tontopf-Trick (Die Vorbereitung) | Besorgen Sie sich für jede Tomatenpflanze einen kleinen, unglasierten Tontopf (mit einem Abflussloch im Boden). Graben Sie diesen Topf direkt neben dem Stamm der Tomate bündig in die Erde ein. | Der Topf dient als Trichter und unterirdischer Wasserspeicher. |
| 3. Das richtige Gießen | Gießen Sie ab sofort nur noch das lauwarme Wasser direkt in diesen Tontopf! Lassen Sie den Stamm und vor allem die Blätter der Tomate absolut trocken! | Das Wasser versickert durch das Loch im Topf sofort tief in den Boden. Die Wurzeln der Tomate wachsen dem Wasser nach unten entgegen (sie werden robuster). Die Erde an der Oberfläche bleibt trocken, Pilzsporen werden nicht mehr hochgespritzt und die Blätter bleiben gesund. |
(Zusatz-Tipp: Wenn Sie keine Tontöpfe haben, können Sie auch eine Plastikflasche nehmen. Schneiden Sie den Boden ab, bohren Sie ein paar Löcher in den Deckel und graben Sie die Flasche kopfüber neben der Pflanze ein!)
Herr Krause goss seine Tomaten ab diesem Tag nur noch über die eingegrabenen Töpfe. Der schwarze Pilz wurde gestoppt, da die Blätter trocken blieben, und die neu heranwachsenden Früchte platzten dank des warmen Wassers nicht mehr auf.
Stehen Sie an heißen Sommerabenden auch mit dem Gartenschlauch am Beet und sprühen großzügig kaltes Wasser über Ihre Tomatenpflanzen? Haben Sie sich auch schon oft geärgert, dass Ihre fast reifen Tomaten urplötzlich tiefe Risse bekommen oder schwarze Flecken auf den Blättern entstehen? Hören Sie auf, Ihre Pflanzen krank zu gießen! Erwärmen Sie das Wasser und lenken Sie es tief in den Boden. Speichern Sie sich diesen genialen Tontopf-Trick ab und teilen Sie den ultimativen Gärtner-Hack bei WhatsApp oder in Facebook-Foren mit Freunden, die ihre eigene Tomatenernte ebenfalls sicher vor Pilzen schützen wollen.
