Sobald im Frühling die Rasenmäher in deutschen Gärten angeworfen werden, beginnt für viele Hausbesitzer ein wöchentliches Logistik-Problem. Der Fangkorb des Mähers ist randvoll mit frischem, sattgrünem Rasenschnitt.
Oft reicht der Platz in der städtischen Biotonne nicht aus, und wer den riesigen Berg Gras einfach auf den eigenen Komposthaufen kippt, erlebt wenige Tage später eine böse Überraschung: Der Rasenschnitt beginnt extrem faulig zu stinken und verwandelt sich in eine heiße, schleimige, graue Masse.
Aus Frust fahren viele Gartenbesitzer ihre Grasabfälle dann mühsam mit dem Auto zum Wertstoffhof. Als Gärtnermeister blutet mir bei diesem Anblick das Herz! Sie werfen gerade das reinste „grüne Gold“ weg, für das Sie im Gartencenter in Form von Flüssigdünger teuer bezahlen müssten. Ich erkläre Ihnen an einem Praxisbeispiel den physikalischen Fehler, warum Gras so schnell fault, und zeige Ihnen drei geniale Methoden, wie Sie den Abfall kostenlos in den besten Bio-Dünger und Unkraut-Vernichter Ihres Gartens verwandeln.
„Mein Komposthaufen stinkt nach faulen Eiern!“
Im letzten Juni wurde ich von Herrn Klein um Rat gebeten. Er hatte nach dem Rasenmähen fünf riesige Körbe Gras auf seinen Kompost gekippt.
„Jetzt kann man nicht mehr auf der Terrasse sitzen“, schimpfte er. „Der ganze Kompost stinkt nach faulen Eiern und das Gras ist zu einem ekligen, heißen Klumpen verschmolzen.“
Ich musste ihm erklären, dass er das Gras buchstäblich erstickt hatte. Frischer Rasenschnitt enthält bis zu 80 Prozent Wasser und ist extrem reich an Stickstoff. Wenn man dieses feuchte Material in einer dicken Schicht übereinander wirft, presst es sich zusammen. Es kommt kein Sauerstoff mehr an die Grashalme. Statt eines natürlichen Verrottungsprozesses startet eine „Fäulnisgärung“ unter Luftabschluss. Das erzeugt die enorme Hitze und den bestialischen Gestank.
Gras darf niemals dick geschichtet werden!
Das grüne Gold: 3 Profi-Tricks für Ihren Rasenschnitt
Werfen Sie Ihr Schnittgut nie wieder in die Biotonne. Nutzen Sie die enorme Nährstoffkraft des Grases, indem Sie diese drei Fehler vermeiden:
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1. Der Mulch-Trick (Der Unkraut-Killer für Gemüse)
Rasenschnitt ist die perfekte Bodendecke für Tomaten, Zucchini oder Erdbeeren.
Die goldene Regel: Lassen Sie das Gras nach dem Mähen einen Tag in der Sonne anwelken. Streuen Sie es dann in einer maximal 2 bis 3 Zentimeter dünnen Schicht auf die offene Erde im Beet (nicht den Stamm berühren!). Das Gras trocknet schnell ab, schimmelt nicht, hält die Erde darunter im Sommer feucht und zersetzt sich langsam zu reinstem Stickstoff-Dünger. Unkraut hat unter dieser Schicht keine Chance mehr! -
2. Der Kompost-Turbo (Die Sandwich-Methode)
Wenn Sie Gras auf den Kompost werfen, müssen Sie zwingend nach dem „Sandwich-Prinzip“ vorgehen.
Die goldene Regel: Werfen Sie nie mehr als eine 5 Zentimeter dicke Schicht Gras auf den Kompost. Legen Sie danach zwingend eine Schicht aus trockenem, grobem Strukturmaterial darüber (z.B. zerknüllte Pappe, trockene Äste, Eierkartons oder Holzhäcksel). Das grobe Material wirkt wie kleine Belüftungsröhren. Der Sauerstoff kann zirkulieren, das Gras fault nicht, sondern beschleunigt durch seinen Stickstoff die Rotte des gesamten Komposthaufens massiv. -
3. Der Hecken-Dünger (Der unsichtbare Speicher)
Hecken (wie Thuja, Liguster oder Kirschlorbeer) sind extreme Nährstofffresser.
Die goldene Regel: Werfen Sie den frischen Rasenschnitt einfach unsichtbar unter Ihre Hecken und Sträucher. Auch hier gilt: Locker verteilen! Der Regen wäscht den Stickstoff aus den Halmen direkt zu den Heckenwurzeln. Die Hecke wächst dichter und der Boden trocknet im Sommer nicht aus.
Nachdem Herr Klein seinen nassen, stinkenden Grasberg auf dem Kompost mit dem Spaten großzügig mit trockenen Ästen und Laub durchmischt hatte, kam wieder Sauerstoff an das Material. Der Gestank verschwand innerhalb von 24 Stunden. Das nächste Mähgut nutzte er hauchdünn als Dünger in seinem Tomatenbeet.
Stehen Sie nach dem Rasenmähen auch oft kopfschüttelnd vor vollen Biotonnen und wissen nicht, wohin mit dem restlichen Schnittgut? Haben Sie sich bisher auch gewundert, warum große Grasberge auf dem Kompost anfangen zu stinken und zu faulen? Verschenken Sie keinen teuren Dünger mehr an die Müllabfuhr! Üben Sie sich in der Kunst des Mulchens und füttern Sie Ihren Boden. Speichern Sie sich diese drei genialen Verwertungs-Tricks ab und teilen Sie dieses Wissen über das „grüne Gold“ bei WhatsApp oder in Facebook-Gartengruppen mit Ihren Nachbarn, die sich ebenfalls Gartenarbeit ersparen wollen.
