Es passiert meistens genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann: Am späten Freitagabend oder am Sonntagmorgen. Das Wasser im Waschbecken fließt plötzlich nicht mehr ab, der Wasserhahn spritzt in alle Richtungen oder die Badezimmertür klemmt lautstark am Fußboden. In vielen Haushalten bricht dann sofort Panik aus.
Aus purer Hilflosigkeit wird der teure Handwerker-Notdienst gerufen. Wenn der Monteur dann anrückt, ist das Problem oft in weniger als fünf Minuten gelöst – doch die Rechnung, die er für Anfahrt, Wochenendzuschlag und Arbeitszeit auf den Tisch legt, reißt nicht selten ein Loch von 200 bis 300 Euro in die Haushaltskasse.
Als erfahrener Handwerker blutet mir bei so viel verschwendetem Geld das Herz. Viele dieser vermeintlichen „Notfälle“ sind reine Bagatellen, für die Sie absolut keine handwerkliche Ausbildung oder teures Spezialwerkzeug benötigen.
Ich zeige Ihnen an drei klassischen Alltags-Beispielen, wie Sie die dreisten Rechnungen der Notdienste umgehen und diese Probleme mit Dingen aus Ihrer Küchenschublade in Sekundenschnelle selbst beheben.
„Der Klempner hat 180 Euro für zehn Minuten Arbeit kassiert!“
Letzten Monat rief mich Herr Wagner an. Er ärgerte sich maßlos über eine Handwerker-Rechnung.
„Am Samstagabend lief das Wasser in unserer Dusche nicht mehr ab“, erzählte er mir. „Ich habe aus Angst vor einem Wasserschaden den Notdienst gerufen. Der Mann kam, hat keine einzige Rohrzange ausgepackt, sondern nur eine schwarze Gummiglocke aus seinem Auto geholt. Er hat fünfmal kräftig gepumpt, das Wasser lief wieder ab, und er hat mir 180 Euro berechnet. War das Betrug?“
Ich musste Herrn Wagner enttäuschen: Es war kein Betrug, es war lediglich teure Unwissenheit. Er hatte gerade für die einfachste physikalische Reparatur der Welt ein Vermögen bezahlt.
Lassen Sie das Telefon liegen! Mit diesen drei Handwerker-Tricks reparieren Sie Ihr Haus ab sofort selbst:
1. Der verstopfte Abfluss (Der Vulkan-Trick)
Wenn das Wasser im Waschbecken steht, greifen 90 Prozent der Deutschen sofort zur giftigen Rohrfrei-Chemie aus dem Supermarkt. Diese Mittel sind teuer, zerstören auf Dauer die Dichtungen der Plastikrohre und werden steinhart, wenn sie das Problem nicht sofort lösen.
Die Lösung der Profis (Kosten: 50 Cent):
Greifen Sie nicht zur Chemie, sondern nutzen Sie die Physik! Wenn der klassische „Pümpel“ (die Gummiglocke) nicht hilft, bauen Sie einen chemischen Vulkan.
Kippen Sie vier Esslöffel reines Natron (Kaiser Natron) direkt in den Abfluss. Gießen Sie danach sofort eine halbe Tasse Essigessenz hinterher. Es wird im Rohr extrem anfangen zu brodeln und zu schäumen. Warten Sie 15 Minuten. Die sprudelnde Kohlensäure sprengt den Propfen aus Haaren und Seifenresten mechanisch auf. Gießen Sie danach einen Liter kochendes Wasser aus dem Wasserkocher hinterher – das Rohr ist frei!
2. Der spritzende Wasserhahn (Die Essig-Kur)
Das Wasser kommt nicht mehr als schöner Strahl aus dem Hahn im Bad, sondern spritzt in alle Richtungen gegen den Spiegel und auf Ihre Kleidung? Rufen Sie keinen Installateur für eine neue Armatur!
Die Lösung der Profis (Kosten: 0 Euro):
Das kleine Sieb vorne am Wasserhahn (der sogenannte Perlator) ist einfach nur massiv verkalkt. Schrauben Sie das vorderste Stück des Wasserhahns mit der Hand (oder notfalls mit einer Rohrzange, umwickelt mit einem Lappen gegen Kratzer) ab. Legen Sie dieses kleine Sieb für zwei Stunden in ein kleines Glas, das mit purer Essigessenz oder Zitronensäure gefüllt ist. Die Säure löst den steinharten Kalk komplett auf. Danach kurz abspülen, wieder aufschrauben, und das Wasser fließt wieder weich wie am ersten Tag.
3. Die schleifende Zimmertür (Die 2-Millimeter-Rettung)
Besonders im Winter oder Sommer verzieht sich Holz. Die Wohnzimmertür schleift plötzlich laut kratzend über den teuren Parkettboden und lässt sich kaum noch schließen. Wer hier anruft, zahlt oft teure Tischler-Stunden für das „Einstellen der Tür“.
Die Lösung der Profis (Kosten: 2 Euro):
Sie müssen nicht das Holz der Tür absägen! Hängen Sie die Tür komplett aus den Scharnieren aus. Kaufen Sie im Baumarkt sogenannte „Fitschenringe“ (das sind hauchdünne kleine Unterlegscheiben für Türen). Stecken Sie auf jeden der beiden Metallzapfen am Türrahmen ein bis zwei dieser winzigen Ringe. Hängen Sie die Tür wieder ein. Die Tür sitzt nun exakt zwei Millimeter höher im Rahmen und gleitet völlig lautlos über Ihren Boden.
Haben Sie am Wochenende auch schon einmal völlig panisch einen Notdienst gerufen, weil das Wasser in der Dusche stand, und sich hinterher über die horrenden Kosten geärgert?
Kaufen Sie bei verstopften Rohren auch immer noch teure und giftige Chemikalien, die Ihre Rohre von innen zerstören?
Machen Sie sich unabhängig von teuren Handwerker-Rechnungen für Bagatellen!
Besorgen Sie sich Natron, Essig und ein paar Unterlegscheiben. Speichern Sie sich diese Notfall-Tricks ab und teilen Sie den geldsparenden Heimwerker-Ratgeber bei WhatsApp oder in Facebook-Foren mit Freunden, die ihr Haus in Zukunft ebenfalls clever und günstig selbst reparieren wollen.
