Wandfarbe im Kinderzimmer. Die Plastik-Lüge aus dem Baumarkt

Wenn sich Nachwuchs ankündigt oder das Kinderzimmer einen neuen Anstrich braucht, steht für Eltern eines an erster Stelle: Die Gesundheit des Kindes. Voller Fürsorge wird im Baumarkt das Etikett der Eimer studiert. „Frei von Konservierungsmitteln“, „Blauer Engel“ oder „Extra abwaschbar“ steht dort in großen, bunten Lettern.

Beruhigt greift man zur klassischen Dispersionsfarbe und rollt die Wände strahlend weiß oder pastellfarben. Doch als Baubiologe muss ich Sie heute vor einer gefährlichen Illusion warnen! Das, was Sie dort ahnungslos auf die Wände Ihres Kindes streichen, ist in den meisten Fällen eine flüssige Plastikfolie.

Ich erkläre Ihnen an einem drastischen Kundenbeispiel, warum genau diese vermeintlich „gesunden“ Farben aus dem Baumarkt die Raumluft massiv belasten, unsichtbaren Schimmel fördern und Allergien auslösen können. Wenn Sie das Klima im Kinderzimmer wirklich gesund halten wollen, müssen Sie der Chemieindustrie den Rücken kehren und zu Farben greifen, die aus den ältesten und reinsten Materialien der Natur bestehen.

„Seit der Renovierung hustet unser Sohn nachts ständig“

Vor einigen Monaten bat mich Familie Wagner um eine Raumluftanalyse. Sie hatten das Zimmer ihres vierjährigen Sohnes komplett neu in einem hellen Blau gestrichen. „Wir haben extra die teuerste Dispersionsfarbe mit dem Umwelt-Siegel gekauft“, versicherte mir Herr Wagner. „Trotzdem riecht der Raum auch nach Wochen noch leicht süßlich und unser Sohn hat plötzlich morgens oft einen Reizhusten.“

Ich prüfte die Wände und musste Familie Wagner eine unangenehme Wahrheit mitteilen. Sie hatten ihr Kind in eine Plastiktüte gesperrt.

Herkömmliche Dispersionsfarben (egal ob billig oder teuer) bestehen zum Großteil aus künstlichen Bindemitteln – genauer gesagt aus Erdöl-Derivaten (Acryl- oder Kunstharzen). Wenn diese Farbe auf der Wand trocknet, bildet sie einen wasserundurchlässigen Film.

Das Problem im Kinderzimmer: Menschen schwitzen nachts und atmen viel Feuchtigkeit aus. Die mit Plastikfarbe gestrichenen Wände können diese Feuchtigkeit nicht mehr aufnehmen und puffern (die Wand atmet nicht mehr). Die Nässe kondensiert auf der Farbschicht. Das ist der perfekte, unsichtbare Nährboden für gefährliche Schimmelsporen! Zudem dünsten die Acrylate oft noch monatelang sogenannte VOCs (flüchtige organische Verbindungen) aus, was den süßlichen Geruch und den Husten bei dem kleinen Jungen erklärte.

(Der Marketing-Trick: Eine Farbe darf sich „Konservierungsmittelfrei“ nennen, wenn das Mittel nur in einem bestimmten Produktionsschritt weggelassen wurde. Andere Chemikalien sind oft trotzdem enthalten!)

Die atmende Wand: Mineral- und Lehmfarben als Retter

Um das Kinderzimmer bei Familie Wagner gesund zu machen, riet ich ihnen zu einem sofortigen Überstrich mit einer Wandfarbe, die zu 100 Prozent ohne Erdöl auskommt.

Wer sein Haus wirklich ökologisch und schimmelfrei renovieren will, greift heute zu Silikatfarben (Mineralfarben) oder Lehmfarben.

Diese Farben sind in der Anschaffung zwar oft ein paar Euro teurer, aber ihre physikalischen Eigenschaften sind unbezahlbar:

  • 1. Die absolute Atmungsaktivität (Der Klima-Puffer)
    Mineral- und Lehmfarben sind offenporig. Wenn es im Kinderzimmer nachts extrem feucht wird, saugt die Wand (wie ein natürlicher Schwamm) die Nässe aus der Luft auf. Am Tag, wenn gelüftet wird, gibt die Wand die Feuchtigkeit langsam wieder an den Raum ab. Das Raumklima bleibt dadurch immer exakt in der perfekten Balance. Es entsteht niemals Staunässe auf der Tapete.

  • 2. Die natürliche Schimmel-Abwehr (Der pH-Trick)
    Besonders Silikatfarben haben einen extrem hohen (alkalischen) pH-Wert. Das bedeutet: Schimmelpilze hassen diese Farbe! Eine Wand, die mit echter Mineralfarbe gestrichen ist, kann rein physikalisch nicht schimmeln. Sie sparen sich giftige Anti-Schimmel-Sprays.

  • 3. Keine Ausdünstungen (Die pure Natur)
    Lehmfarben bestehen nur aus Tonmehl, pflanzlicher Stärke und natürlichen Erdpigmenten. Sie können diese Farbe anmischen und im Raum schlafen, ohne auch nur einen Hauch von Chemie oder Lösemitteln einzuatmen. Der süßliche Gestank bleibt aus.

(Wichtiger Hinweis: Wenn Sie von Dispersionsfarbe auf Mineralfarbe wechseln wollen, müssen Sie vorher eine spezielle, natürliche Grundierung auftragen, damit die neue Farbe auf dem alten Plastik-Untergrund haftet!)

Nachdem Familie Wagner das Zimmer mit einer sanften, hellblauen Lehmfarbe neu gerollt hatte, verschwand das feuchte Raumklima und der Husten des Jungen war wenige Tage später Geschichte.

Stehen Sie auch gerade vor der Renovierung eines Schlaf- oder Kinderzimmers und haben bisher ahnungslos nach den großen, weißen Plastikeimern im Baumarkt gegriffen? Haben Sie sich von Werbesiegeln täuschen lassen und sich gewundert, warum die Luft in gestrichenen Räumen oft noch wochenlang unangenehm nach Chemie riecht? Schützen Sie die Atemwege Ihrer Kinder und stoppen Sie die Schimmelgefahr an der Wand! Informieren Sie sich im Fachhandel über atmungsaktive Lehm- und Silikatfarben. Speichern Sie sich diese baubiologischen Fakten ab und teilen Sie den Farb-Ratgeber bei WhatsApp oder in Facebook-Foren mit all Ihren Freunden, die ebenfalls bald renovieren möchten.

Hallo, ich bin Michael Christian, Inhaber des Malerfachbetriebs und Experte für ökologisches Wohnen. Seit vielen Jahren sorge ich mit natürlichen Materialien wie Kalk- und Lehmputz für ein gesundes Raumklima. Mein Praxiswissen von der Baustelle gebe ich hier auf malerharders.de an Sie weiter. Egal ob clevere DIY-Tricks, nachhaltige Renovierungen oder Hilfe bei Schimmel – ich zeige Ihnen, wie Handwerk wirklich funktioniert.

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