Sobald im Herbst die Heizsaison beginnt und die Fenster öfter geschlossen bleiben, kehrt in Millionen deutschen Haushalten ein gefährlicher, ungebetener Gast zurück.
In den Raumecken, hinter großen Schränken oder an den Silikonfugen im Bad bilden sich plötzlich unschöne, kleine schwarze Punkte. Die Panik vor dem gesundheitsschädlichen „Schwarzen Schimmel“ ist groß. Die reflexartige Reaktion: Man stürmt in den Drogeriemarkt und kauft scharfe Schimmelsprays auf Chlorbasis.
Unter beißendem, chemischem Gestank wird die Wand eingesprüht. Die Flecken verschwinden sofort, man atmet auf.
Doch als Baubiologe muss ich Sie eindringlich warnen: Sie haben den Pilz gerade nicht getötet, Sie haben ihn nur unsichtbar gemacht! Nach wenigen Wochen wird das schwarze Geflecht garantiert wieder durch die Tapete brechen.
Ich zeige Ihnen an einem alltäglichen Praxisbeispiel, wie der Schimmel Sie überlistet und mit welcher völlig unscheinbaren, günstigen Flüssigkeit aus der Apotheke Sie die Pilzsporen tief in der Wand restlos und nachhaltig vernichten.
„Ich habe gestern erst gesprüht, jetzt riecht es wieder muffig!“
Letzten Winter rief mich Familie Schneider um Hilfe. In ihrem Schlafzimmer hatte sich an der kalten Außenwand ein großer schwarzer Schimmelfleck gebildet.
„Wir haben am Wochenende alles mit einem teuren Chlorreiniger abgewaschen“, berichtete Herr Schneider sichtlich genervt. „Die Tapete war danach wieder schneeweiß. Aber der muffige Geruch im Raum geht nicht weg und heute Morgen habe ich gesehen, dass sich schon wieder ein leichter, grauer Flaum an derselben Stelle bildet. Sollen wir die Tapete komplett abreißen?“
Ich erklärte ihm, dass der Chlorreiniger ihn getäuscht hatte. Chlor ist ein extremes Bleichmittel. Wenn Sie es auf Schimmel sprühen, zerstört es zwar den oberflächlichen, sichtbaren Teil des Pilzes und bleicht ihn strahlend weiß, aber es dringt oft nicht tief genug in die Poren der Wand ein.
Das feine, unsichtbare Wurzelgeflecht des Pilzes (das Myzel) überlebt in der feuchten Tapete oder im Putz und treibt nach dem nächsten Lüften einfach wieder neu aus. Zudem belasten die giftigen Chlordämpfe wochenlang die Raumluft, was im Schlafzimmer absolut tabu sein sollte.
Das flüssige Skalpell: Alkohol statt Chemie
Um den Schimmel bei Familie Schneider wirklich restlos und tiefgründig zu vernichten, griffen wir zu dem Mittel, das Restauratoren und Baubiologen seit Jahrzehnten nutzen. Es ist spotbillig, hinterlässt keine giftigen Dämpfe und trocknet rückstandslos ab: Medizinischer Alkohol (Isopropanol oder reiner Ethylalkohol aus der Apotheke/Drogerie).
Damit der Alkohol dem Pilz endgültig den Garaus macht, müssen Sie die 70-Prozent-Regel beachten!
So vernichten Sie den Schimmel richtig:
| Arbeitsschritt an der Wand | Die korrekte Durchführung | Die physikalische Wirkung auf den Pilz |
| 1. Die richtige Lösung kaufen | Kaufen Sie in der Apotheke Isopropanol (70 %). (Mischen Sie reinen 100%igen Alkohol zwingend mit destilliertem Wasser herunter auf 70 bis 80 Prozent!) | Das Geheimnis: 100%iger Alkohol verdunstet zu schnell an der Luft. Die 70%ige Lösung bleibt lange genug feucht, um die harten Zellwände der Pilzsporen tief in der Tapete zu knacken und zu zerstören. |
| 2. Der Wisch-Stopp | Wischen Sie den schwarzen Schimmel niemals trocken mit einem Lappen weg! | Trockenes Wischen würde Millionen unsichtbarer Schimmelsporen wie Staub durch das ganze Zimmer wirbeln. |
| 3. Die Alkohol-Therapie | Tränken Sie ein Haushaltstuch oder Küchenpapier großzügig mit dem Alkohol und reiben Sie die befallene Stelle gründlich ab (Handschuhe tragen und Fenster öffnen!). Werfen Sie das Tuch danach sofort in den Hausmüll draußen. | Der Alkohol dringt extrem tief in die Poren der Wand ein, tötet das Myzel restlos ab, desinfiziert die Fläche und verdunstet nach wenigen Minuten völlig giftfrei. |
Die Ursache stoppen: Das Kipp-Fenster ist der Feind
Nachdem wir die Wand mit Isopropanol abgerieben hatten, war der Pilz bei Familie Schneider tot. Doch Schimmel kommt nur dorthin, wo es feucht ist.
Die Hauptursache für Schimmel in deutschen Schlafzimmern ist falsches Lüften im Winter.
Herr Schneider hatte das Fenster nachts oft auf Kipp stehen gelassen. Dadurch kühlte die Wand rund um das Fenster massiv aus. Die warme, feuchte Atemluft der Nacht kondensierte an dieser eiskalten Wand (wie Wassertropfen an einer kalten Cola-Flasche im Sommer). Die Tapete war dauerfeucht.
Die goldene Regel gegen Schimmel-Rückkehr lautet: Dreimal täglich für maximal 5 bis 10 Minuten Stoßlüften (Fenster ganz aufreißen, am besten mit Durchzug)! Danach Fenster komplett schließen und heizen. Die Luftfeuchtigkeit wird sofort nach draußen befördert, aber die Wände kühlen in den 5 Minuten nicht aus und bleiben trocken.
Haben Sie im Winter auch regelmäßig mit kleinen schwarzen Flecken in den Zimmerecken oder am Fensterrahmen zu kämpfen? Kaufen Sie aus purer Gewohnheit auch aggressive Chlorsprays, die tagelang einen beißenden Gestank im Haus hinterlassen, nur um den Schimmel im nächsten Monat wieder zu begrüßen? Sparen Sie sich das Geld und schonen Sie Ihre Atemwege! Besorgen Sie sich hochprozentigen Alkohol aus der Apotheke und packen Sie das Problem bei der Wurzel. Speichern Sie sich diese Anleitung ab und teilen Sie den ultimativen Anti-Schimmel-Hack bei WhatsApp oder in Facebook-Gruppen mit Freunden, die in dieser Heizsaison ebenfalls ein schimmelfreies und gesundes Zuhause wollen.
