Diesen Vogel niemals vertreiben. Warum er Ihren Rasen kostenlos rettet

Sobald im Frühling die Gartenarbeit beginnt, ärgern sich viele Hausbesitzer über das vermeintliche Chaos in ihren Beeten. Gerade hat man teuren Rindenmulch ordentlich unter den Rosen verteilt, am nächsten Morgen ist alles kreuz und quer auf den Rasen gescharrt.

Der Schuldige ist schnell gefunden: Die Amsel. In Scharen hüpfen die schwarzen Vögel mit dem leuchtend gelben Schnabel (die Männchen) oder im braunen Federkleid (die Weibchen) über das Grundstück und picken tiefe Löcher in die Erde. Aus Wut über die Unordnung klatschen viele Gärtner dann in die Hände oder hängen Flatterbänder auf, um die „Randalierer“ zu verjagen.

Als Biologe und Gartendesigner muss ich Sie heute eindringlich warnen: Wer diesen Vogel vom eigenen Grundstück vertreibt, zerstört sein eigenes Ökosystem! Ich zeige Ihnen an einem Praxisbeispiel, warum die Amsel kein Schädling, sondern die härteste, kostenloseste und beste biologische Polizei der Natur ist.

Wenn Sie verstehen, welche Monster dieser Vogel aus Ihrem Rasen zieht, werden Sie ihn ab sofort wie einen König behandeln.

„Die Amseln ruinieren meinen Mulch und picken Löcher in den Rasen!“

Letzten Juni rief mich Herr Krause an. Er war extrem stolz auf seinen perfekten, dichten Rasen und seine sauberen Blumenbeete.

„Seit einer Woche fallen hier jeden Morgen fünf Amseln ein“, schimpfte er am Telefon. „Sie wühlen meinen ganzen Mulch auf den Weg und picken wie wild im Rasen herum. Reißen die meine Graswurzeln aus? Ich habe schon meinen Hund rausgeschickt, um sie zu verjagen. Wie werde ich die los?“

Ich fuhr zu Herrn Krause, kniete mich an die Stelle auf dem Rasen, wo die Amseln gepickt hatten, und zog leicht an einem Grashalm. Zu Herrn Krauses Entsetzen löste sich die Rasennarbe sofort. Das Gras ließ sich wie ein Teppich hochklappen. Darunter wimmelte es.

„Herr Krause“, erklärte ich ihm. „Die Vögel zerstören Ihren Rasen nicht. Die Vögel versuchen gerade verzweifelt, Ihren Rasen zu retten!“

Unter der Erde saßen dutzende dicke, weiße Engerlinge (Larven von Laubkäfern) und fraßen die Graswurzeln von unten ab.

Die Amsel hat ein extrem feines Gehör. Wenn sie den Kopf auf dem Rasen schieflegt, hört sie diese fetten Larven unter der Erde fressen. Sie sticht ihren Schnabel wie eine Pinzette in den Boden und zieht die Schädlinge heraus. Wer die Amsel verjagt, überlässt seinen Rasen und sein Gemüse den Schädlingen. Eine einzige Amsel-Familie vertilgt während der Brutzeit Tausende von schädlichen Insekten, Engerlingen und sogar Nacktschnecken!

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Sparen Sie sich das Geld für giftige Pestizide und chemische Insektensprays. Arbeiten Sie mit der Natur!

Wenn Sie wollen, dass die Amsel bei Ihnen patrouilliert und Schädlinge frisst, müssen Sie Ihren Garten vogelfreundlich gestalten:

  • 1. Lassen Sie die „wilde Ecke“ stehen (Die Mulch-Toleranz)
    Amseln wühlen im Laub und Mulch, weil sich darunter die fettesten Insekten und Schneckeneier verbergen.
    Die Regel: Akzeptieren Sie, dass ein echter Naturgarten nicht klinisch rein ist! Lassen Sie in einer Ecke des Gartens (z.B. unter einer Hecke) im Herbst zwingend das alte Laub liegen. Dieser Laubhaufen ist der Kühlschrank der Amsel im Winter und frühen Frühjahr.

  • 2. Verzichten Sie auf Mähroboter in der Dämmerung (Die Todesfalle)
    Amseln suchen ihr Futter am liebsten in den frühen Morgenstunden und in der späten Abenddämmerung, weil dann die Insekten aus dem Boden kommen.
    Die Regel: Programmieren Sie Ihren Rasenmäh-Roboter niemals so, dass er in der Dämmerung oder nachts fährt! Das stört nicht nur die Vögel bei der lebenswichtigen Jagd nach Schädlingen, sondern ist auch eine blutige Todesfalle für nachtaktive Igel, die ebenfalls Schnecken fressen.

  • 3. Das Matsch-Bad anbieten (Das Nist-Material)
    Im Gegensatz zu Meisen brüten Amseln selten in geschlossenen Holzkästen. Sie bauen tiefe, napfförmige Nester in dichten Hecken (z.B. in Efeu oder Kirschlorbeer).
    Die Regel: Um das Nest stabil zu machen, braucht das Amselweibchen feuchten Lehm oder Schlamm. Wenn Ihr Garten extrem trocken ist, stellen Sie im Frühling nicht nur eine Wasserschale zum Trinken auf, sondern gießen Sie bewusst eine kleine Kuhle mit Erde richtig nass, damit Schlamm entsteht. Die Vögel werden es Ihnen danken und ihr Revier bei Ihnen aufschlagen.

Herr Krause sperrte seinen Hund morgens ins Haus und ließ die Amseln wüten. Sie dezimierten die Larven-Armee unter dem Gras in Rekordzeit. Im Herbst schlossen sich die kleinen Pick-Löcher im Rasen von ganz allein wieder zu, und Herr Krause hatte keinen Cent für Insektengift ausgegeben.

Ärgern Sie sich im Frühling auch oft über durchwühlte Beete, verstreuten Rindenmulch und kleine Erdlöcher im Rasen? Klatschen Sie dann auch reflexartig in die Hände, um die vermeintlichen Unruhestifter in die Flucht zu schlagen? Beenden Sie diesen fatalen Fehler! Erkennen Sie die Vögel als Ihre nützlichsten und hungrigsten Helfer im Kampf gegen unsichtbare Wurzel-Fresser. Speichern Sie sich dieses biologische Hintergrundwissen ab und teilen Sie die Wahrheit über die Amsel bei WhatsApp oder in Facebook-Gartenforen mit Ihren Nachbarn, damit auch diese ihre fliegende Schutzstaffel in Ruhe arbeiten lassen.

Hallo, ich bin Maria! Als Autorin von „Mein Stadtgarten“ und Kopf hinter dem Erfolgsprojekt „GartenFräulein“ lebe ich für nachhaltiges Gärtnern. Mein Praxis-Wissen aus über 10 Jahren und unzähligen Pflanz-Projekten gebe ich hier auf malerharders.de an dich weiter. Egal ob kleiner Balkon oder Stadtgarten – zusammen machen wir es grün! „Trauen Sie sich einfach! Der größte Fehler beim Gärtnern ist es, aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anzufangen. Jede Pflanze, die Sie selbst ziehen, ist ein kleiner Sieg für die Natur – und für Sie selbst.“ – Maria Hans