Es ist die unangefochtene Geheimwaffe aller Bio-Gärtner und Permakultur-Profis. Wenn Tomaten, Zucchini oder Gurken im Frühsommer einen gigantischen Wachstumsschub brauchen, greifen Experten nicht zu teuren, chemischen Flüssigdüngern aus dem Gartencenter.
Sie brauen sich ihren Stickstoff-Dünger einfach selbst – und zwar völlig kostenlos aus dem oft verhassten „Unkraut“ am Gartenzaun. Eine korrekt angesetzte Brennnesseljauche wirkt wie ein natürlicher Energy-Drink auf die Pflanzen.
Doch viele Hobbygärtner machen bei der Herstellung zwei fatale Fehler: Entweder terrorisieren sie durch den bestialischen Gestank der gärenden Brühe die gesamte Nachbarschaft, oder sie verätzen durch eine falsche Dosierung die Wurzeln ihres Gemüses.
Als Gärtnermeister zeige ich Ihnen an einem Praxisbeispiel, wie Sie die Gärung geruchlos kontrollieren und wie aus einfachen Brennnesseln in zwei Wochen eine flüssige Nährstoffbombe wird.
„Meine Nachbarn haben wegen dem Gestank mit dem Anwalt gedroht“
Letzten Juni rief mich Herr Becker an. Er klang völlig aufgelöst. „Ich wollte in diesem Jahr nur noch komplett biologisch düngen“, erklärte er mir. „Ich habe eine große Regentonne voll mit Brennnesseln und Wasser angesetzt. Aber jetzt nach einer Woche stinkt das ganze Viertel nach verfaulten Eiern. Meine Nachbarn können nicht mehr auf der Terrasse sitzen und haben mit einer Anzeige gedroht!“
Ich fuhr zu ihm. Der Gestank im Garten war tatsächlich atemberaubend. Herr Becker hatte die Tonne luftdicht verschlossen und keinen Geruchs-Binder verwendet.
Ich erklärte ihm die Biologie der Jauche: Wenn frische Pflanzenteile im Wasser zersetzt werden (Gärung), arbeiten unzählige Mikroorganismen daran, das wertvolle Kalium und den Stickstoff aus den Zellen zu lösen. Dabei entstehen Gase (wie Schwefelwasserstoff), die extrem unangenehm riechen.
Aber dieser Gestank ist nicht unvermeidbar!
Der Gesteinsmehl-Trick: Gärung ohne Geruch
Um den Frieden mit der Nachbarschaft wiederherzustellen, wandten wir den absoluten Profi-Trick an. Wir öffneten die Tonne und gaben zwei Handvoll Urgesteinsmehl (fein gemahlenes Gestein, das Sie günstig in jedem Baumarkt bekommen) direkt in die gärende Brühe und rührten kräftig um.
Die mikroskopisch feinen Partikel des Gesteinsmehls binden die übel riechenden Gase sofort. Innerhalb von zwei Stunden war der bestialische Gestank in Herrn Beckers Garten verschwunden, und die Nachbarn konnten aufatmen.
In 4 Schritten zur perfekten Nährstoffbombe
Damit Ihre Jauche nicht fault, sondern richtig gärt, müssen Sie sich exakt an diesen Profi-Ablauf halten:
| Arbeitsschritt | Durchführung | Der Zweck im Gärungsprozess |
| 1. Das Ernten | Schneiden Sie frische Brennnesseln ab (am besten bevor sie blühen, sonst züchten Sie Unkraut-Samen in der Jauche!). Zerkleinern Sie die Blätter und Stängel grob. | Vor der Blüte hat die Pflanze die höchste Konzentration an Stickstoff. |
| 2. Der Ansatz | Geben Sie das Schnittgut in einen Kunststoff-Eimer (niemals Metall, das rostet durch die Säure!). Füllen Sie den Eimer zu ¾ mit Pflanzen und gießen Sie ihn mit Regenwasser auf (Leitungswasser ist oft zu kalkhaltig). | Das Wasser startet den Zersetzungsprozess durch die natürlichen Bakterien. |
| 3. Die Pflege | Geben Sie sofort eine Handvoll Urgesteinsmehl gegen den Geruch hinzu. Decken Sie den Eimer nicht luftdicht ab (z.B. nur mit einem Jutesack gegen Fliegen). Rühren Sie die Brühe täglich einmal mit einem Holzstock um. | Durch das Rühren kommt Sauerstoff in die Jauche. Das verhindert eine faulige Schimmelbildung. |
| 4. Die Reife | Stellen Sie den Eimer in die Sonne. Die Jauche beginnt stark zu schäumen. Nach ca. 14 Tagen (wenn es nicht mehr schäumt und die Brühe dunkel ist), ist der Dünger fertig. | Der Zersetzungsprozess ist abgeschlossen. Die Nährstoffe sind nun flüssig im Wasser gelöst. |
Die goldene 1:10 Regel (Verätzungsgefahr!)
Der zweite große Fehler passiert beim Ausbringen. Die reine Jauche ist so extrem konzentriert und aggressiv, dass sie die feinen Haarwurzeln von Tomaten oder Zucchini sofort verbrennen würde.
Sie dürfen Brennnesseljauche niemals pur gießen!
Die eiserne Regel lautet: Verdünnen Sie einen Liter der Jauche in einer großen 10-Liter-Gießkanne mit klarem Wasser (Mischungsverhältnis 1:10). Gießen Sie diese Mischung dann direkt an den Wurzelbereich Ihrer starkzehrenden Pflanzen (wie Tomaten, Gurken oder Kürbis). Vermeiden Sie es, die Blätter zu benetzen, da dies zu Verbrennungen durch die Sonne führen kann. Gießen Sie schwachzehrende Pflanzen wie Erbsen oder Bohnen gar nicht damit, sie vertragen so viel Stickstoff nicht!
Haben Sie bisher auch viel Geld für teure Gemüsedünger in Plastikflaschen ausgegeben? Haben Sie sich schon einmal an einer eigenen Brennnesseljauche versucht und das Experiment wegen des furchtbaren Geruchs abgebrochen? Kaufen Sie sich in diesem Jahr einen Sack Urgesteinsmehl und nutzen Sie die kostenlose Kraft des Unkrauts am Wegesrand! Speichern Sie sich diese Schritt-für-Schritt-Anleitung ab und teilen Sie das Bio-Geheimnis bei WhatsApp oder in Facebook-Gartengruppen mit all Ihren pflanzenverrückten Freunden.
