Es ist das zentrale Heiligtum der deutschen Gartengestaltung. Wer ein Haus baut, sät in der Mitte des Grundstücks einen viereckigen, perfekten grünen Rasen ein. Doch die klimatische Realität holt uns mittlerweile in jedem Hochsommer ein.
Das einst saftige Gras verwandelt sich in der extremen Hitze und Trockenheit in eine knisternde, gelbe Stroh-Wüste. Um das zu verhindern, werden tausende Liter teures Trinkwasser vergossen. Abgerundet wird das Drama durch den ständigen Zwang, jedes Wochenende bei 30 Grad den lauten Rasenmäher über das verbliebene Grün zu schieben.
Als Landschaftsarchitekt sehe ich, wie immer mehr Hausbesitzer zu Sklaven ihres eigenen Rasens werden. Dabei ist eine kurzgeschorene Wiese ökologisch gesehen eine absolute „grüne Wüste“, in der Insekten kläglich verhungern. Immer mehr Experten raten daher zum radikalen Umdenken. Ich zeige Ihnen an einem Kundenbeispiel, warum Sie die nutzlosen Rasenflächen in Ihrem Garten sofort verkleinern sollten.
Mit diesen drei genialen, trockenresistenten und betretbaren Bodendeckern erschaffen Sie sich einen blühenden Teppich, den Sie nie wieder mähen müssen.
„Mein Rasen ist tot und das Gießen wird zu teuer!“
Letzten August rief mich Herr Becker an. Er saß frustriert auf seiner Terrasse und starrte auf eine riesige, braune Steppe. „Ich habe es aufgegeben“, sagte er resigniert. „Ich habe versucht, den Rasen zu wässern, aber die Wasserrechnung ist förmlich explodiert. Das Gras ist trotzdem verbrannt. Ich überlege ernsthaft, alles mit Schotter zuzuschütten, damit ich Ruhe habe.“
Ich hielt ihn sofort von dieser ökologischen Katastrophe ab. „Schotter heizt Ihren Garten nur noch mehr auf“, erklärte ich ihm. „Das Problem ist nicht der Garten, das Problem ist das Gras.“
Normaler Zierrasen besteht aus Gräsern, die sehr flach wurzeln und extrem viel Wasser brauchen. Für unsere neuen, heißen und trockenen Sommer ist das die denkbar schlechteste Pflanzenwahl. Wenn auf der Fläche nicht gerade täglich Kinder Fußball spielen, ist ein Rasen dort völlig überflüssig.
Die Lösung der modernen Gartengestaltung sind trockenresistente, kriechende Bodendecker. Sie wurzeln tief, bilden einen dichten Teppich, der die Erde kühlt, ersticken Unkraut, blühen wunderschön und das Beste: Man muss sie nicht mähen!
Die 3 perfekten, blühenden Rasen-Alternativen
Wir rissen Herrn Beckers verbrannte Rasenfläche an den Rändern und im Vorgarten großzügig auf und pflanzten stattdessen Alternativen, die mit Dürre spielend umgehen.
Wenn Sie das Mähen und Gießen satthaben, setzen Sie in sonnigen Bereichen auf diese drei genialen „Teppich-Pflanzen“:
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Der Sand-Thymian (Thymus serpyllum): Der duftende Hitze-Krieger
Dieser flache, extrem kriechende Thymian ist die wohl spektakulärste Rasen-Alternative für trockene und vollsonnige Flächen. Er bildet in Rekordzeit extrem dichte, flache Polster.
Der Vorteil: Er ist absolut hitze- und trockenheitsresistent (muss nie gegossen werden). Im Frühsommer überzieht er den Boden mit einem leuchtend violetten, duftenden Blütenmeer, das Insekten magisch anzieht. Er verträgt es problemlos, wenn man hin und wieder darüberläuft. -
Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile): Der englische Kräuter-Rasen
Ein Geheimtipp aus den Gärten Englands (dort „Chamomile Lawn“ genannt). Diese spezielle, sehr flach wachsende Kamillen-Art bildet einen feinen, farnartigen, immergrünen Teppich.
Der Vorteil: Wenn Sie über diesen Teppich spazieren, verströmen die kleinen Blätter einen unglaublich beruhigenden, süßlichen Apfelduft im ganzen Garten. Sie blüht im Sommer mit kleinen weißen Sternen und verdrängt Unkraut extrem effektiv. -
Der Mikroklee (Trifolium repens var. Pipolina): Die begehbare grüne Alternative
Wenn Sie eine Fläche suchen, die optisch einem normalen Rasen stark ähnelt und auf der auch Kinder spielen können, mischen Sie Mikroklee unter. Es ist eine speziell gezüchtete, sehr kleinblättrige Weißklee-Sorte.
Der Vorteil: Klee ist eine Leguminose. Das bedeutet, er holt sich den benötigten Stickstoff (Dünger) direkt aus der Luft und speist ihn in den Boden ein. Er ist sein eigener Dünger! Klee wurzelt sehr tief, bleibt auch in wochenlanger Dürre sattgrün und muss (im Gegensatz zu Gras) extrem selten gemäht werden, da er kaum in die Höhe wächst.
Nachdem wir bei Herrn Becker diese Pflanzenteppiche angelegt hatten, wandelte sich der Garten. Im Folgejahr blieb der Vorgarten trotz extremer Hitze saftig grün und lila blühend. „Ich habe den Gartenschlauch den ganzen Sommer nicht angerührt“, schwärmte er. Und der laute Rasenmäher blieb für diese Flächen endgültig im Schuppen.
Stehen Sie im Hochsommer auch jeden Abend völlig erschöpft mit dem Wasserschlauch im Garten, um verzweifelt Ihren verbrennenden Rasen zu retten? Opfern Sie wertvolle Freizeit, um an den Wochenenden immer wieder den dröhnenden Mäher über die trockene Wiese zu schieben? Brechen Sie mit der veralteten Rasen-Tradition! Verkleinern Sie das grüne Problem und pflanzen Sie stattdessen blühende, duftende Teppiche, die mit der Natur arbeiten. Speichern Sie sich diese drei Alternativen für Ihren nächsten Gartencenter-Besuch ab und teilen Sie die Idee des „Faulenzer-Rasens“ bei WhatsApp oder in Facebook-Foren mit Freunden, die sich ebenfalls mehr Entspannung im Garten wünschen.
