Hornveilchen blühen im Sommer. Wie ein radikaler Schnitt im Juni die Pflanzen rettet und bis November blühen lässt

Es ist ein trauriges Ritual, das sich auf Millionen deutschen Balkonen und in Vorgärten jeden Juni wiederholt. Die zarten, bunten Hornveilchen, die im März und April noch der Stolz des Frühlings waren, sehen plötzlich erbärmlich aus.

Sobald die ersten heißen Tage kommen, schießen die Triebe unkontrolliert in die Länge, die Blätter werden an der Basis gelb und die Blütenproduktion stellt sich komplett ein.

Die Pflanzen wirken „spargelig“ und erschöpft. Fast alle Hobbygärtner reißen die Hornveilchen dann lieblos aus den Kästen, werfen sie auf den Kompost und kaufen teure Sommerblumen wie Geranien oder Petunien nach.

Als Gärtnermeister blutet mir dabei das Herz. Die wenigsten wissen, dass Hornveilchen eigentlich ausdauernde Stauden sind. Ich zeige Ihnen an einem Praxisbeispiel, wie Sie den vorzeitigen Tod der Pflanzen verhindern.

Mit einem einfachen, zehnminütigen Gärtner-Trick im Frühsommer wecken Sie die Lebensgeister der kleinen Dauerblüher neu und zwingen sie dazu, ohne Unterbrechung bis tief in den November hinein zu blühen.

„Meine Frühlingsblumen sind im Juni immer reif für den Müll“

Letzte Woche war ich bei Frau Schneider. Sie räumte gerade ihre Balkonkästen aus. Ihre einst wunderschönen, hellblauen Hornveilchen hingen wie lange, grüne Spaghetti über den Kastenrand. An den Enden klebten nur noch wenige, winzige Blüten.

„Ich schmeiße sie jetzt weg“, sagte sie und griff nach der Gartenschaufel. „Die haben ihre Pflicht getan. Jetzt kommt die Sommerbepflanzung rein.“

Ich hielt sie sofort auf. „Frau Schneider“, sagte ich. „Wenn Sie diese Pflanzen jetzt wegwerfen, verschwenden Sie pures Geld. Die Hornveilchen sind nicht tot, sie sind nur im Samen-Stress.“

Ich erklärte ihr die Botanik der Viola cornuta. Das Ziel jeder Blume ist die Fortpflanzung. Wenn die welken Blüten im Frühling nicht regelmäßig abgeknipst werden („Ausputzen“), bildet die Pflanze winzige Samenkapseln. Sobald die Samen reif sind, meldet die Pflanze an ihr System: „Mein Ziel ist erreicht.“ Sie stellt die Blütenproduktion ein und lässt die Triebe in der Hitze vergreisen.

Der Verjüngungs-Schnitt: Radikal, aber lebensrettend

Um den Hornveilchen ein zweites Leben für den kompletten Sommer und Herbst einzuhauchen, müssen wir sie austricksen und ihr System auf „Neustart“ setzen. Das gelingt nur mit absoluter Härte.

Ich nahm eine Gartenschere und zeigte Frau Schneider die Methode des radikalen Rückschnitts.

In 3 Schritten zum endlosen Blütenmeer:

Befolgen Sie diese Anleitung, sobald Ihre Hornveilchen Ende Mai oder Anfang Juni anfangen, unansehnlich in die Länge zu wachsen:

Arbeitsschritt Durchführung am Balkonkasten Warum das die Pflanze rettet
1. Der radikale Schnitt Nehmen Sie eine scharfe Schere und schneiden Sie die Pflanze radikal um die Hälfte (oder sogar auf eine Handbreit über der Erde) ab. Ja, auch wenn da noch ein paar Blüten hängen! Entfernt alle Samenkapseln und vergreisten Triebe. Der Samen-Stress ist sofort gestoppt.
2. Der Nährstoff-Kick Geben Sie sofort nach dem Schnitt eine Portion Flüssigdünger für Blühpflanzen in das Gießwasser. Die Pflanze braucht jetzt dringend Energie (Stickstoff), um aus dem radikalen Schnitt neue, frische Triebe zu bilden.
3. Der halbschattige Standort Wenn möglich, stellen Sie den Kasten für die nächsten heißen Sommerwochen aus der prallen Mittagssonne (Südseite) an einen etwas kühleren, halbschattigen Ort. Hornveilchen mögen keine 35 Grad Hitze an den Wurzeln. Im Halbschatten wachsen sie viel kompakter und blühen intensiver.

Frau Schneider war anfangs skeptisch, als sie auf die fast kahlen, grünen Stümpfe in ihrem Kasten blickte. Doch die Natur ist ein Wunder. Bereits zwei Wochen nach dem Schnitt trieben die Hornveilchen extrem dicht und buschig wieder aus. Im Juli war der Kasten erneut von einem dichten, blauen Blütenmeer überzogen.

Wenn Sie jetzt noch im Vorbeigehen immer mal wieder die vertrockneten Blüten mit den Fingern abknipsen, blüht diese anspruchslose Pflanze ohne Pause bis zum ersten strengen Frost im Spätherbst.

Reißen Sie Ihre Hornveilchen und Stiefmütterchen im Frühsommer auch immer achtlos aus den Beeten, weil sie lang und unansehnlich geworden sind? Geben Sie jedes Jahr viel Geld für neue Sommerbepflanzung aus, obwohl Sie die Frühlingsblumen einfach retten könnten? Greifen Sie in diesem Jahr im Juni zur Schere, statt zur Mülltonne! Speichern Sie sich diese Anleitung zum Verjüngungsschnitt ab und teilen Sie den geldsparenden Gärtner-Trick bei WhatsApp oder in Facebook-Foren mit Freunden, die ihren Balkon ebenfalls monatelang zum Blühen bringen wollen.

Hallo, ich bin Maria! Als Autorin von „Mein Stadtgarten“ und Kopf hinter dem Erfolgsprojekt „GartenFräulein“ lebe ich für nachhaltiges Gärtnern. Mein Praxis-Wissen aus über 10 Jahren und unzähligen Pflanz-Projekten gebe ich hier auf malerharders.de an dich weiter. Egal ob kleiner Balkon oder Stadtgarten – zusammen machen wir es grün! „Trauen Sie sich einfach! Der größte Fehler beim Gärtnern ist es, aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anzufangen. Jede Pflanze, die Sie selbst ziehen, ist ein kleiner Sieg für die Natur – und für Sie selbst.“ – Maria Hans

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