Gundermann im Rasen bekämpfen. Warum der Rasenmäher das Unkraut vermehrt und der Kamm-Trick es stoppt

Es fängt meist ganz unscheinbar in einer schattigen Ecke des Gartens an. Ein kleines, rankendes Pflänzchen mit runden, gezackten Blättern und winzigen violetten Blüten breitet sich über die Erde aus.

Doch was im Frühling noch nach einer hübschen Bodendeckung aussieht, wird im Sommer zum ultimativen Albtraum jedes Rasen-Besitzers. Der Gundermann (auch Gundelrebe genannt) ist der wohl aggressivste Eroberer in unseren Gärten. Er kriecht wie eine Krake durch das Gras, erstickt die Rasenwurzeln und bildet in Rekordzeit einen undurchdringlichen Teppich.

Aus purer Verzweiflung fahren viele Gartenbesitzer dann mit dem Rasenmäher über das Kraut oder hacken wild mit dem Spaten im Beet herum. Als Gärtnermeister warne ich Sie eindringlich: Damit machen Sie alles nur noch viel schlimmer! Ich zeige Ihnen an einem Praxisbeispiel, wie dieses Unkraut die Mechanik Ihres Mähers nutzt, um sich zu klonen. Wenn Sie die Biologie der Pflanze verstehen und den einfachen „Kamm-Trick“ anwenden, ziehen Sie den Eindringling für immer aus dem Garten, ohne zur chemischen Giftkeule greifen zu müssen.

„Nach dem Rasenmähen ist das Unkraut explodiert!“

Im vergangenen Juni rief mich Herr Schubert an. Sein einst stolzer Rasen bestand fast zur Hälfte aus dem kriechenden Gundermann.

„Ich verstehe das nicht“, sagte er kopfschüttelnd. „Ich habe letzte Woche den Rasenmäher auf die tiefste Stufe gestellt und alles kurz und klein gemäht, um das Zeug zu vernichten. Aber jetzt wächst es an noch mehr Stellen doppelt so dicht wieder nach!“

Ich erklärte Herrn Schubert, dass er dem Gundermann gerade den größten Gefallen getan hatte. Die Pflanze vermehrt sich über extrem lange, oberirdische Ausläufer (Ranken). An jedem einzelnen Blattknoten bildet sie feine Haftwurzeln.

Wenn der Rasenmäher nun diese langen Ranken in winzige Stücke häckselt und über den Rasen schleudert, stirbt die Pflanze nicht! Jedes winzige abgeschnittene Stück, das auf der feuchten Erde landet, bildet sofort neue Wurzeln. Herr Schubert hatte die Pflanze nicht vernichtet, er hatte sie maschinell geklont und im ganzen Garten ausgesät!

Der Kamm-Trick: Das Unkraut am Stück entwirren

Um den Gundermann loszuwerden, dürfen Sie ihn niemals zerreißen oder zerhacken. Sie müssen das Netz entwirren. Das geht am besten an einem trockenen Tag nach einem starken Regenguss, wenn der Boden sehr weich ist.

Lassen Sie den Spaten im Schuppen und greifen Sie zu einem Hand-Rechen (einer kleinen Metall-Kralle).

Arbeitsschritt Die Durchführung auf dem Rasen Der biologische Zweck
1. Das Aufspüren Suchen Sie den Haupttrieb (den dicksten Stängel) in dem grünen Teppich. Er liegt meist sehr flach auf der Erde. Von hier aus ziehen sich die Wurzeln in den Boden.
2. Das Kämmen Fahren Sie mit der Metall-Kralle flach unter die Ranken und ziehen Sie das Werkzeug sanft wie einen Kamm nach oben. Die feinen Haftwurzeln an den Blattknoten reißen aus der weichen Erde, ohne dass der Stängel bricht!
3. Das Aufrollen Nehmen Sie die gelöste Ranke in die Hand und ziehen Sie vorsichtig immer weiter (wie bei einem losen Wollfaden). Sie werden staunen, wie Sie oft meterlange Stränge am Stück aus dem Gras ziehen können. Solange der Strang nicht reißt, haben Sie die Garantie, dass keine Wurzelstücke im Boden bleiben, die neu austreiben könnten.

Wichtig: Werfen Sie den herausgezogenen Gundermann niemals auf Ihren Gartenkompost! Dort wächst er fröhlich weiter und übernimmt im nächsten Jahr Ihre Gemüsebeete. Entsorgen Sie ihn zwingend über die Biotonne oder den Restmüll.

Der Kalk-Schock: Dem Gundermann den Appetit verderben

Um sicherzugehen, dass das Unkraut bei Herrn Schubert nicht wiederkommt, wendeten wir im Herbst noch einen genialen Boden-Trick an.

Gundermann ist eine sogenannte „Zeigerpflanze“. Er wächst fast ausschließlich dort, wo der Boden sehr feucht, verdichtet und vor allem stickstoffreich und leicht sauer ist.

Wir streuten im Herbst eine großzügige Schicht kohlensauren Rasenkalk auf die betroffenen Stellen. Kalk macht den Boden alkalisch. Der Gundermann hasst dieses Milieu und zieht sich automatisch zurück, während das normale Gras den Kalk liebt und wieder dicht zusammenwächst.

Kämpfen Sie auf Ihrem Rasen oder in den Blumenbeeten auch gegen einen violett blühenden, kriechenden Teppich, der alle anderen Pflanzen erstickt? Sind Sie aus Frust auch schon mit dem Rasenmäher darüber gefahren und haben das Unkraut damit unwissentlich vermehrt? Ändern Sie Ihre Taktik! Warten Sie auf den nächsten Regen, schnappen Sie sich eine Harke und „kämmen“ Sie die Ranken am Stück aus dem Gras. Speichern Sie sich diese Entfernungs-Anleitung ab und teilen Sie den cleveren Gärtner-Trick bei WhatsApp oder in Facebook-Foren mit Freunden, die ihren Rasen ebenfalls unkrautfrei halten wollen.

Hallo, ich bin Maria! Als Autorin von „Mein Stadtgarten“ und Kopf hinter dem Erfolgsprojekt „GartenFräulein“ lebe ich für nachhaltiges Gärtnern. Mein Praxis-Wissen aus über 10 Jahren und unzähligen Pflanz-Projekten gebe ich hier auf malerharders.de an dich weiter. Egal ob kleiner Balkon oder Stadtgarten – zusammen machen wir es grün! „Trauen Sie sich einfach! Der größte Fehler beim Gärtnern ist es, aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst anzufangen. Jede Pflanze, die Sie selbst ziehen, ist ein kleiner Sieg für die Natur – und für Sie selbst.“ – Maria Hans

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