Sobald im Frühling die Gartenmöbel aus dem Schuppen geholt werden, folgt oft der erste große Frust des Jahres. Die teure Holzterrasse oder der schöne Holzbalkon haben den Winter nicht unbeschadet überstanden. Die Dielen sind mit einem schmierigen, schwarz-grünen Teppich aus Algen und Moos überzogen.
Der Boden sieht nicht nur unansehnlich aus, er ist bei Nässe auch lebensgefährlich glatt. Die instinktive Reaktion der meisten Deutschen: Der Hochdruckreiniger (oft ein Kärcher) wird aus der Garage geholt, um den Dreck mit brutaler Gewalt wegzublasen.
Alternativ werden teure, giftige Grünbelagentferner aus dem Baumarkt gekauft, die langsam ins Grundwasser sickern.
Als Baubiologe und Experte für Holzpflege warne ich Sie eindringlich vor beiden Methoden!
Ich erkläre Ihnen an einem Praxisbeispiel, wie ein harter Wasserstrahl Ihr Holz unsichtbar ruiniert und warum ein banales, extrem günstiges Hausmittel aus Großmutters Zeiten den Grünspan viel effektiver und holzschonender auflöst.
„Meine Terrasse splittert nach dem Kärchern!“
Letzten Mai rief mich Herr Lehmann an. Er war völlig verzweifelt. Er hatte am Wochenende seine fünf Jahre alte Terrasse aus sibirischer Lärche mit der „Dreckfräse“ seines Hochdruckreinigers gesäubert.
„Der grüne Dreck ist zwar weg“, sagte er, „aber jetzt stehen überall winzige Holzsplitter hoch. Ich kann nicht mehr barfuß darüberlaufen, ohne mir einen Schiefer einzuziehen. Und an einigen Stellen wird das Holz schon wieder schwarz!“
Ich fuhr zu ihm und erklärte ihm das physikalische Drama, das er gerade angerichtet hatte. Holz ist ein organisches, weiches Material. Ein Hochdruckreiniger schießt das Wasser mit über 100 Bar auf die Dielen. Dieser brutale Druck wäscht nicht nur den Dreck weg, sondern reißt die natürlichen Holzfasern komplett auf. Die Oberfläche wird porös wie ein Schwamm.
Das fatale Resultat: In diesem aufgerauten Holz können sich Algen, Moose und Pilzsporen in Zukunft noch tiefer einnisten. Die Terrasse verrottet in Rekordzeit.
Das Seifen-Wunder: Die sanfte Lösung der Profis
Um die Terrasse schonend zu reinigen, greifen wir Profis auf ein Mittel zurück, das in fast jedem Haushalt für wenige Cent zu finden ist: Reine, flüssige Schmierseife (oft auch als Grüne Seife oder Kaliseife bekannt).
Schmierseife ist rein pflanzlich, komplett biologisch abbaubar und schadet weder Ihren angrenzenden Blumenbeeten noch dem Grundwasser. Sie enthält keine aggressiven Tenside oder Mikroplastik, löst aber organischen Schmutz und Algen extrem zuverlässig auf.
Die 3-Schritte-Reinigung ohne Gewalt
Ich zeigte Herrn Lehmann, wie er seine Terrasse künftig ohne Lärm und Holzzerstörung reinigen kann:
| Arbeitsschritt | Durchführung auf der Holzterrasse | Die physikalische Wirkung |
| 1. Die Vorbereitung | Kehren Sie losen Schmutz ab. Lösen Sie ca. drei Esslöffel flüssige Schmierseife in 10 Litern warmem Wasser auf. | Das warme Wasser aktiviert die Seife, die sofort beginnt, die organischen Zellwände der Algen aufzuweichen. |
| 2. Das Schrubben | Gießen Sie die Lauge großzügig über das trockene (!) Holz. Nehmen Sie einen herkömmlichen, harten Straßenbesen (Schrubber) und bürsten Sie die nassen Dielen immer in Richtung der Holzmaserung kräftig ab. | Die Borsten lösen den aufgeweichten Grünbelag sanft aus den Rillen, ohne die Holzfasern aufzureißen. Das Holz bleibt glatt. |
| 3. Das Abspülen | Lassen Sie die Seifenlauge noch ca. 15 Minuten einwirken (nicht eintrocknen lassen!). Spülen Sie dann alles mit viel klarem Wasser (Gartenschlauch) ab. | Der Schmutz schwimmt einfach weg. Das Holz atmet wieder und der natürliche, helle Holzton kommt sofort zum Vorschein. |
(Zusatz-Tipp: Wenn Sie hartnäckige graue Flecken auf dem Holz haben, geben Sie einen kleinen Schuss Essigessenz mit in das Wischwasser. Essig wirkt als mildes Bleichmittel und hellt vergrautes Holz natürlich auf!)
Nachdem die Terrasse von Herrn Lehmann getrocknet war, ölten wir sie mit natürlichem Leinölfirnis ein. Die Dielen waren wieder spiegelglatt, barfußtauglich und der gefährliche grüne Rutsch-Film war komplett verschwunden.
Holen Sie im Frühling auch immer den lauten Hochdruckreiniger aus dem Schuppen, um Ihre Holzterrasse abzuspritzen? Ärgern Sie sich danach auch über abstehende Holzsplitter und Dielen, die viel schneller wieder dreckig werden? Zerstören Sie Ihr teures Holz nicht länger! Sparen Sie sich das Geld für giftige Chemie-Reiniger. Kaufen Sie für zwei Euro eine Flasche Schmierseife und nutzen Sie die Muskelkraft mit dem Besen. Speichern Sie diese Anleitung ab und teilen Sie den genialen Vorher-Nachher-Trick bei WhatsApp oder in Facebook-Heimwerkergruppen mit Freunden, die ihre Terrasse ebenfalls holzschonend reinigen wollen.
